Juli 21

Über uns

Foto von Friederike Scheytt für das Buch "Ehrlich motiviert" von Sylvia Czarnecki

Atli, Ljosfari und ich sind ja schon eine ganze Weile als http://www.clickerpony.de unterwegs. Nun starten wir also ein neues Projekt. Auf diesen Seiten möchten wir Euch noch mehr von unserem gemeinsamen Weg erzählen: Nicht nur vom Clickertraining schwärmen sondern auch von den Büchern, die uns inspirieren; den Erkenntnissen, die wir hoffentlich auf unseren Reitstunden und Kursen einsammeln sowie von den täglichen Herausforderungen, die ein kleiner Selbstversorger-Stall nun mal so mit sich bringt.

Ganz besonders am Herzen liegt es uns:

Pferdegerechtes  Dressurtraining  mit harmonischen Töltreiten zu verbinden.

Viele Jahre haben wir nach einem Weg gesucht und dabei sehr viele unterschiedliche Trainer abgeklappert. Aber immer wenn es Richtung Tölt ging, wurden alle Vorgaben vom feinen, harmonischen Reiten mehr oder weniger über Bord geworfen. Ich muss gestehen: Ich war kurz davor aufzugeben.  Das Blatt wendete sich, als wir durch die Empfehlung einer guten Freundin unsere Reitlehrerin Andrea Lipp fanden. Sie treibt uns nun schon viele Jahre an und manchmal wenn etwas gar nicht zuklappen scheint, tröstet sie uns auch! (Andrea, dafür ganz lieben Dank )

sabine-9586
Ein  weiteres, sehr grosses  Mosaiksteinchen für unser Ausbildungspuzzel bekamen wir dieses Frühjahr von Andrea Jänisch überreicht. Das war wirklich ein sehr genialer, denkwürdiger Reitkurs – tölten kann so wunderbar sein.

Der Hauptdarsteller: Atli vom Waldhof

Warum hat das arme Pony denn nun auch noch einen Blog am Hals ? Er kam doch 18 Jahre auch ganz gut ohne aus!

Ganz einfach, weil er so oft die zweite Geige spielen musste, da ist es wahrlich an der Zeit, ihn einmal zu würdigen, Im  Oktober 2003 habe ich ihn bei Andreas Trappe Probe geritten. Ein sehr lustiges Erlebnis, nie zuvor oder danach habe ich an einem Tag soviele Rappen geritten. Ich habe schon gefrotzelt, das dies wohl Einstellungskriterium sei, wenn man bei Andreas Pferd sein möchte.

Ich kann nicht gerade sagen, das es Liebe auf den ersten Blick war. Atli war und ist von seinem Äußeren ja eher unscheinbar. Außerdem war er sehr introvertiert. Er machte so den Anschein, als wenn ihm seine Herde genügte. Er brauchte die oder den Menschen nicht wirklich. Ausser zum Heu bringen, vielleicht! 🙂 Das kam mir als Mutter von einem Säugling natürlich sehr entgegen, zumal ich zu dem Zeitpunkt mit Skuggi noch ein sehr anstrengendes Pony zu Hause hatte. sabine-9661

Erstes Kennenlernen

Ich fuhr  wieder vom Hof und war ausgesprochen unschlüssig. Also suchte ich weiter nach meinem Traumpferd. Nachdem ich einen wunderschönen Falben geritten hatte und der so gar nicht das war, was ich suchte, musste ich immer öfter an Atli denken. Er war eigentlich genau das Islandpferd, was ich suchte: Gross, stark, sehr sensibel, super fein im Maul.  Fünfgänger mit genauso viel Temperament, wie ich noch händeln konnte. Also habe ich wieder bei Andreas angerufen und noch einen Termin ausgemacht. Beim Ritt durch´s Gelände, hat er mich dann überzeugt. Er war immer noch nicht mein Traumpferd, aber es schien irgendwie zu passen.

Im ersten Jahr haben wir noch viel miteinander gehadert. Ich hatte mein Herzenspferd Skuggi verloren und trauerte! Er war halt so ganz anders – verschlossen, autark. Ein missratener Reitkurs warf unsere Vertrauensbasis stark zurück. Ich ärgere mich noch heute, das ich den Anweisungen dieser Trainerin gefolgt bin, obwohl ich wusste, das ich das Pony damit hoffnungslos überfordere. Einige Male schoss mir der Gedanke durch den Kopf, ihn wieder zu verkaufen, vielleicht würde sich ja ein Mensch finden, der besser zu ihm passt.

Huch, was hab ich da nur gekauft…

Eher witzig war da eine Begebenheit bei einem weiteren Reitkurs: Ich zeige dem Dicken gerade die Reithalle und treffe dort auf eine andere Teilnehmerin, die mich nach Atli’s Abstammung fragt. Noch nie hat mich jemand nach der Abstammung meiner Pferde gefragt! Und prompt kam bei der Nennung des Vaters ein „Ach Du Scheisse!“ – der macht doch nur „Verbrecher“. Das ist für einen frischgebackenen Pferdebesitzer, wirklich eine tolle Erfahrung. Sie hätte auch einen (Voll-)Bruder von meinem Pferd gehabt, den sie wieder zurück gegeben habe; nachdem er mit einem Bereiter getestet hatte, wie schnell man auf Asphaltstrassen bergrunter galoppieren kann. Hab ich schon mal erwähnt, das ich nicht sonderlich mutig bin. (GottseiDank ist dieser Reitkurs, außer das wir ein wenig Probleme mit dem Verladen hatten, total unfallfrei vonstatten gegangen.)

Aschenputtel erwacht…

07-09-09-246-KopieIm Dezember 2006 machten wir dann den ersten Zirkuslektionen-Lehrgang mit und an diesem Tag warf das schwarze „Aschenputtel“ seine alten Kleider fort! Heraus kam ein Clown und so ist es Gottseidank bis zum heutigen Tag geblieben, auch wenn heute ein falbfarbener Angeber namens Ljosfari, den Zirkusdirektor spielt.

Sieht es auf den Videos manchmal so aus, als wenn er jeden Quatsch mitmacht, so ist Atli doch im tiefsten Innereren seines Herzens ein Angsthase. Er hasst Eimer, nicht das noch irgend jemand (also ich) auf die Idee kommt, das man einen Fuss hineinstellen kann (aus Eimern essen ist übrigens okay!) Stangen oder gar irgendwelche Gassen auf dem Boden empfindet das Pony als persönlichen Angriff auf sein Leben. Bei diversen Versuchen diesen unheilvollen Dinger zu entkommen, hat das Pony uns schon in einige prekäre Situationen gebracht. (die ich aber jetzt nicht alle petzen möchte!)
f8925032Obwohl ich persönlich ihn immer als sehr einfach zu reiten empfand, sind die lieben Kinderlein so oft von ihm runter gesegelt, das ich mich sehr wundere, das sie mein Hobby immer noch teilen. Sie lieben Atli sehr, doch am liebsten haben sie ihn – wenn sie ihn nicht reiten müssen. Wobei Tochter Nummer 2 ganze Reitstunden damit verbringen kann, mit dem Dicken in der Bahnmitte zu stehen und spanischen Schritt zu demonstrieren. Da sind sie sich dann immer wieder überraschend einig.

Das Schreckensjahr 2014

Im Jahr 2014 hat der Arme einiges ertragen müssen. Er hatte erst einen Sehnenschaden, dann Borreloise und anschliessend noch eine Rehe, wahrscheinlich ausgelöst durch die Medikamente. Da hat uns das Clickern in der Rekonvaleszenzphase doch sehr gut die Langeweile vertrieben und ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Spass er dabei hat. Er riskiert sogar  Rüffel von dem grauen Chef oder gar einen Stromschlag nur um mitmachen zu dürfen.

Er ist so ein wunderbares Pferd und ich bin sehr froh ihn entdeckt zu haben, auch wenn es vielleicht ein paar Jahre zu spät geschah. Einer Sache kann er sich heute ganz sicher sein: Das es drei Menschen gibt, die ihn von ganzem Herzen lieben, genau so wie er ist….

Wenn Ihr noch etwas über meinen „pferdigen“ Werdegang erfahren wollt, schaut doch einmal hier nach.  Da hab ich mal versucht die wichtigsten Eckdaten zusammenzufassen.

Natürlich wird auch noch Atli’s Kumpel Ljosfari vorgestellt, die kleine Spassbacke soll ja schließlich nicht zu kurz kommen. 😀

Kommentar verfassen