August 2

Reitstunden-Blues und wie man ihn vertreibt…

Foto von Friederike Scheytt für das Buch "Ehrlich motiviert" von Sylvia Czarnecki

Es gibt Tage, von denen wir gerne berichten, an denen alles zu klappen scheint.  Wir haben neue Erkenntnisse, konnten eine neue Lektion erlernen oder wir hatten eine Sternstunde und alles ist schön. Wir möchten die ganze Welt umarmen. Das sind natürlich die Momente, wo man besonders gerne schreibt, einfach um die Freude zu teilen. Das geht mir nach Reitstunden sehr oft so. Vielleicht bin ich nicht sehr anspruchsvoll, aber ich kann mich wirklich über ganz kleine Fortschritte riesig freuen.

sabine-9327qAber es gibt auch die Tage, an denen alles schief zu gehen scheint, was überhaupt nur möglich ist. Einheiten, die ich gerne aus meinem Gedächtnis streichen würde und nach denen mich der Reitstunden-Blues fest im Griff hat. Das Pony ist aufgeregt und unaufmerksam, man selber gestresst und unkonzentriert. Fehler, die längst ausgemerzt schienen, stehen auf einmal wieder uneingeladen auf der Matte. So ging es mir am vorigen Samstag und die arme Andrea Lipp musste es ausbaden. Zwar hatte ich die Ponys schon am Vortag zum Veranstaltungsort gefahren , um ein wenig Stress aus dem Geschehen zu nehmen, aber uns steckte wohl noch das Turnier von letzte Woche in den Knochen.

Atli war extrem zäh, kenn ich so eigentlich nicht von ihm (wahrscheinlich hatte Spassbacke ihn nachts nicht schlafen lassen.) Hinzu kam, das gerade während meiner 30 Minuten-Einheit noch vier andere Reiter in der Halle waren. Das ist für mich, die ja sonst immer  allein oder zu zweit in der Reitbahn ist, wirklich ein RiesenUNding.

Wir hatten also einen schlechten Tag, nichts schien zu klappen. Zu allem Übel hatte ich zwischendurch auch noch eine kleine Rechts-Links-Schwäche entwickelt und auch mein „Ich-zieh-mal-eben-ein-klein-wenig-rückwärts-Gen“ gewann zwischenzeitlich immer wieder die Oberhand. Zwar kriegten wir für´s Pferd noch einen positiven Abschluss hin, da geht bei Atli mit spanischem Schritt  immer was 🙂 aber an mir nagte der Reitstunden-Blues. Ich habe leider nicht so oft die Möglichkeit Unterricht zu nehmen und da schmettern mich solche verpatzten Gelegenheiten immer besondern nieder. Zu gerne wäre ich noch die Nachmittagsstunde geritten, aber das ging ja nicht, weil die  lieben Kinderchen auch noch Unterricht haben wollten. (grr)

Ich muss zugeben: Ich kann solche Dinge nicht einfach abharken! Selbst nachts im Bett liegend, ärgere ich mich weiter;  das ich es nicht besser gemacht, mich nicht mehr auf mich konzentriert habe usw, usw.

Jetzt war dieser Samstag ja ausgesprochen anstrengend und ich habe den Pferden erst einmal den Sonntag frei gegeben. Obwohl es mir doch ganz schön in den Finger juckte sofort auf´s Pferd zu steigen und alles besser zu machen. 🙂 Andererseits wollte ich aber auch nicht dort weitermachen, wo ich gestern gestrandet war. Was also tun gegen den Frust?

No-Goes beim Blues 

Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Muster, in die man möglichst nicht verfallen sollte!

1.) Aufgeben

Reit ich halt nur noch spazieren!  – hatte ich auch schon mal ein paar Jahre, weil ich keinen passenden Lehrer fand, hat aber meine Reiterei nicht verbessert. 🙁

2.) Verbissenheit

Umso angestrengter man übt, umso mehr man sich in ein Thema verbeisst, umso mehr weniger scheint einem etwas zu gelingen –  denn Verbissenheit ist leider der Tod jeder Losgelassenheit.

Wie kriegt man den Blues in den Griff ?

Beim Yoga habe ich gelernt, Du musst üben, sonst kommst Du nicht voran. Wenn Du allerdings zu angestrengt übst, bleibt die Lockerheit und die Entspannung auf der Strecke. Gerade wenn man mit seinem Partner Pferd sich zu sehr in ein Thema verbeisst, bleibt dessen Freude und damit auch seine Motivation auf der Strecke. Wieviele Pferde kennt man die schon beim Anblick des Reitplatzes „Nein-danke“ sagen.

Also muss man erst mal für sich überlegen, welches Thema ist mir eigentlich im Moment am wichtigsten. Meist muss man ja auch mehr an seinen reiterlichen Fähigkeiten arbeiten, als das unbedingt das Pferd „Nachsitzen“ muss. Mein Tipp ist: Mach halt mal was anderes ! Einfach mal das Pferd von der anderen Seite aufzäumen; zum Beispiel Ausreiten, Cavaletti-Training, Bodenarbeit, Clickern, Handarbeit, usw.  usw. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten, Problematiken, die beim Reiten auftauchen auch einmal anders anzugehen.  f8925032

Ich habe am Montag mit  Atli erst mal einen langen Ausritt gemacht. Die Seelen baumeln lassen und zwischendurch etwas Rückengymnastik für´s Pony eingebaut. Galopp-Trab-Übergänge kann man auf jeder längeren Galoppstrecke super üben  und das Pony hatte mächtig Spass. Ganz nebenbei habe ich immer wieder daran gearbeitet, meine Hände geschlossen zu halten und meinen rechten Schenkel doch noch mal durchkommen zu lassen.

Reiten macht doch Spass 🙂

 


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Veröffentlicht2. August 2016 von Sabine in Kategorie "Gymnastizierung", "Über uns

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